Ich muss ehrlich sagen, dass ich während der Schwangerschaft nicht einmal über die Geburt hinaus gedacht oder geplant habe. Wochenbett?! was ist das? Bis zum 5./6. Monat habe ich nicht mal genauer über das Ereignis der Geburt nachgedacht. Man lebt von einem Ultraschalltermin zum nächsten, von einem Tag zum anderen und hofft dass es dem kleinen Wunder gut geht und es gesund ist. Man achtet auf sich, arbeitet weniger, isst gesünder und stellt seine Bedürfnisse und die des Bauchbewohners an oberste Stelle. Mehr ist auch erstmal nicht wichtig.



Wochenbett heißt Elefanten Binden und Einmalhöschen – oder gibt es da noch mehr zu wissen?!

Nach langen 9-10 Monaten Wartezeit ist der Tag endlich gekommen und wir heißen einen kleinen, zerbrechlichen neuen Erdenbürger willkommen. Unser Kind. So viel verändert sich in den Sekunden des ersten Schreis. So viel woran man vorher erstmal nicht gedacht hat. Ich habe mich dann kurz vor der Geburt doch mal auf das Wochenbett vorbereitet. Habe Elefanten Binden und Einmalhöschen gekauft, dann noch Inkontinenzunterlagen falls man ausläuft (die ich übrigens nicht gebraucht habe!), 3 Packungen Stilleinlagen (bisher nicht benötigti), Multi Mam Kompressen (MEGA! zwar teuer aber jeden Cent wert!) und überteuerten Wochenbett Tee habe ich mir auch gegönnt.

Ich finde es echt witzig,
wie unwissend man doch ist.

Wir haben uns am 4. Tag nach der Geburt selbst entlassen und sind direkt in das Wochenbett Zuhause gerutscht. Keinem von uns beiden war so wirklich klar was das jetzt bedeutet. Im Bett rumgelegen haben wir auf jeden Fall nicht – es war dann eher die Couch. Anfangs hatte klein E nur alle 3 Stunden Hunger, dazwischen wurde geschlafen. Ja ich hatte sogar etwas Langeweile – bleibt das jetzt so? Also bei uns blieb es nicht so 😀 was auch gut so ist. Aber zurück zum Wochenbett. Anfangs war ich natürlich K.O. und auch wirklich froh um die vielen Stunden Schlaf die ich Tagsüber nachholen konnte. Aber 1,5 Wochen nach der Geburt wollte ich mich endlich wieder richtig bewegen, also Kind das erste mal in den Kinderwagen und ab vor die Tür. Nach 10 Metern wurde mir bewusst, dass hier erstmal noch gar nichts geht…also nach einer SEHR anstrengenden Runde um den Block ging es wieder gerädert auf die Couch. Mennö! Wollte ich doch so gerne endlich mal wieder unter Leute gehen.

Das wichtigste im Wochenbett,
ist die Geduld.

Natürlich hat sich das mit jedem Tag gebessert, aber es dauert seine Zeit. Das erste mal „länger“ spazieren gehen (ca. 20-30 Minuten) ohne direkt starke Schmerzen zu haben konnte ich nach 3 Wochen. Meinen ersten Warnschuss hatte ich Mitte August – 16 Tage nach der Geburt. Es gab abends ein Fest im Zoo und wir hatten die beiden Großeltern eingeladen mit uns hinzugehen. Insgesamt sind wir vielleicht 40-50 Minuten gelaufen, zwischendurch waren wir lange gesessen, aber den Heimweg habe ich nur im Delirium erlebt. Ich war so Müde und hatte Schmerzen, dass ich nur gekrümmt und seltsam gehend, mich am Kinderwagen festklammernd, nach Hause kam.

Nehmt euren Körper
und die Signale ernst!

Danach war also Schongang angesagt. Wobei mein Schongang wohl immer noch recht aktiv war. Einmal täglich bin ich auf jeden Fall raus gegangen, ob zum Drogeriemarkt, Kaffee trinken oder einfach so eine Runde spazieren. Meistens direkt mit klein E im Tragetuch.

5 Wochen nach der Geburt haben wir einen größeren Ausflug mit klein E gestartet – zum Baumwipfelpfad. 1025m länge plus 40 meter hohem Aussichtsturm den man auch erstmal hochlaufen muss. Es war super schön! Es ging mir richtig gut, keine Schmerzen, also war ich doch jetzt endlich weder richtig „mobil“! … oder?

Das Wochenbett dauert 8 Wochen,
keinen Tag weniger.

Also haben wir direkt den nächsten Ausflug für 2 Tage später geplant. Auf ging es zum Battert bzw. einem Aussichtspunkt dort. Leider musste man um zu der tollen Aussicht zu gelangen auch den Berg hoch krackseln, was mir natürlich niemand vorher gesagt hat. Mein Mann bat mich es doch wenigstens zu versuchen, wenn wir doch jetzt schon da sind. Als ich meinte das ist mir zu viel, gab es den Vorschlag ich könne ja mit der Kleinen im Auto warten. Natürlich hat mich dann mein Ehrgeiz gepackt und ich wollte diesen doofen Berg erst recht hoch. Da mein Mann Flip Flops anhatte wollte ich, sture Hyper-Mama, die kleine selbst im Tragetuch nehmen. Also bin ich, plus 5 Kilo klein E, den Berg hoch gewandert. Es waren Rentner wie auch Kinder auf dem Weg und hätte mich jemand vor 11 Monaten da hochgejagt hätte ich es im Halbschlaf nachts um 3 ohne Murren und Schmerzen geschafft. 5 Wochen nach einer Bauch Op (Kaiserschnitt) war es dann aber doch eher so gar nicht lustig…

Das war der Moment in dem ich Verstand was Wochenbett wirklich bedeutet. 

Insgesamt sind wir ca. 1-1,5 Stunden am Stück gelaufen und schon beim Stillen zurück im Auto hat die Erschöpfung zugeschlagen. Abends kam dann der zweite Warnschuss – 38 Fieber, am ganzen Körper Gliederschmerzen (meine Knochen haben sich angefühlt als würden sie brennen), Schüttelfrost und meine Narbe und mein Bauch taten weh wie 5 Tage nach der Geburt. Als ich Montags dann bei der Frauenärztin stand, schon die Horror-Vorstellung im Kopf es könnte eine Gebärmutterentzündung oder sonstiges sein, bekam ich ein bisschen Ärger so viel unternommen zu haben. Das Fieber, die Schmerzen, waren tatsächlich ein absoluter Blocker meines Körpers und ein reiner Zustand der Erschöpfung. Keine Entzündung! Keine Krankheit! Das war der Moment in dem ich Verstand was Wochenbett wirklich bedeutet.

Seit dem letzten Wochenende stelle ich mich und meinen Körper wieder an vorderste Stelle. Kein Treffen, keine Feiern, keine Veranstaltungen wenn ich mich nicht 100% danach fühle. Das Wochenbett ist eine Zeit in der man ruhig auch mal Ego sein darf und es ehrlich gesagt auch sein muss! Und das Wochenbett dauert 8 Wochen!! Keinen Tag weniger… und wenn es euch danach ist eben auch mal länger.

Also liebe bald Mamas oder wie ich frisch gebackenen Mamas, hört auf euren Körper und nicht auf andere.


Wie geht es euch mit dem Thema Wochenbett?