Kinder kriegen, Kinder machen, Regelschmerzen, Hormonchaos, Endomitriose, PCO & Co – alles Themen die gefühlt jede Frau betreffen und obwohl früher oder später eins dieser Themen fast jede tangiert…spricht niemand offen darüber. Und schon gar nicht öffentlich. Gut „niemand“ ist zu hart, einige wenige die sich trauen tun es und bekommen dann doch überraschend positives Feedback.

Also wieso nicht offener mit unseren allgegenwärtigen Frauenproblemen umgehen? – Das habe ich mir auch gedacht und möchte deshalb mal alles loswerden was ich viel zu lange fast ausschließlich für mich behalten habe.

So, jetzt wirds persönlich.
Wo fange ich an? Ich glaube mal gaaaanz am Anfang.

Matthias und ich sind seit fast 10 Jahren zusammen (seit März 2008), 2014 habe ich den wohl schönsten Antrag den ich mir hätte vorstellen können bekommen und August 2015 hatten wir unsere Traumhochzeit. Natürlich haben viele Gedacht – auf die Hochzeit folgen wohl direkt Kinder. Ganz ehrlich? Hätte das allein mein Herz entscheiden dürfen wäre es so gewesen, aber es gibt da ja noch den lieben Verstand der einem dann doch des öfteren so eine Entscheidung abnimmt. Im Jahr der Hochzeit war ich noch mitten in der Ausbildung und wollte diese natürlich auch erstmal ordentlich beenden!

Meine Geschichte mit Frauenärzten ging davor schon etwas länger. 3 Jahre zuvor hatte ich die Pille schon einmal auf eigene Faust abgesetzt, nicht aus dem Grund ein Kind zeugen zu wollen – Ich wollte nach so einer langen Zeit mit Pille einfach mal „Pillenfrei“ sein. Da habe ich gemerkt, dass wohl irgendwas mit meinem Körper „verkehrt“ ist. Nach 5 Monaten ohne Pille, aber auch ohne Periode bin ich zum Arzt gegangen. Dieser hat das erste Mal die Worte PCO in den Mund genommen und mir nur geraten, dass ich bloß die Pille weiter nehmen soll, bis zu dem Punkt an dem der Kinderwunsch richtig ernst wird – so würde ich einige andere gesundheitliche Probleme umgehen. Damals hab ich nichts hinterfragt, nicht was dieses PCO ist, nicht gegoogelt was mit mir sein könnte und mich nicht informiert. Ich habe einfach 100% dem Rat dieses einen Arztes vertraut.

Als ich dann im November 2015 kurz vor dem Ende der Ausbildung stand, habe ich die Pille abgesetzt. Natürlich der erste notwendige Schritt um auch ein Kind bekommen zu können 😉 Direkt darauf ging ich zu meiner neuen Frauenärztin um meine Impfungen auffrischen zu lassen (Röteln etc. sollten aktuell sein, am besten bevor man schwanger wird). Dort wurde ebenfalls ein Blutbild gemacht und meine Eierstöcke und Gebärmutter untersucht. Dann der Schock: „Sie werden nicht einfach so schwanger werden können, Sie haben PCO!“. Ich fragte was das denn sei und was das bedeute „Sie haben viel  zu viel Testosteron und auch die anderen, für eine Schwangerschaft notwendigen, Hormone sind aus dem Gleichgewicht. Ebenfalls zeigen Ihre Eierstöcke die typischen Anzeichen von PCO. Viel zu viele Eibläschen welche ohne die richtigen Hormone nicht zu einer Eizelle die letztendlich befruchtet werden kann heranreifen können. Sie werden sich Hilfe holen müssen in einer Kinderwunschklinik“.

Das hat erstmal gesessen. Aber statt traurig und am Boden zu sein hab ich angefangen mir von verschiedensten Endokrinologen (Hormonspezialisten) Meinungen einzuholen. Letztendlich stand es Aussage gegen Aussage. Der eine war der selben Ansicht wie meine Ärztin, der andere meinte ich solle mir überhaupt keine Sorgen machen. Inzwischen waren wieder 3-4 Monate vergangen seit ich die Pille abgesetzt hatte und meine Periode blieb wie beim letzten Mal einfach weg. Ich war am Boden zerstört und frustriert, da mein Kinderwunsch sehr sehr stark war. Eigentlich wäre ich am liebsten schon Ende 2015 / Anfang 2016 schwanger geworden….

Ich wechselte den Frauenarzt und landete leider bei einer verständnislosen Ärztin die alles was mir bisher gesagt wurde einfach abtat und meinte ich solle mir Zeit geben. Ganz ehrlich? Das hätte ich sicherlich geschafft wenn in meinem Kopf und Herz nicht die Worte „PCO“ „unfruchtbar“ „Kinderwunschklinik“ usw. herumgeschwirrt wären… Nach dem ersten Termin dort ging ich geknickt wieder weg und beschloss nicht einfach abzuwarten ohne konkrete Diagnose. Da könnte ich unter umständen ja lange warten!
Also ging mein Griff direkt ans Telefon und ich vereinbarte einen Termin in der Kinderwunschklinik. Dort nahm man sich mir auch wirklich sehr nett an, machte nochmals alle Untersuchungen um sich ein Bild zu verschaffen was mit mir los ist. Zu dem Zeitpunkt war es April/Mai 2017. Diagnose: PCO, Prognose: Clomifen und Geschlechtsverkehr nach Plan. Klingt lustig, ist es aber nicht. Man schluckt 5-10 Tage starke Hormontabletten welche die Eibläschen stimulieren sollen, damit sich doch eine Eizelle entwickelt, die zu einem Eisprung führen kann. Das ganze Spielchen kann man natürlich nur bis zu einer gewissen Dosierung mitmachen. Insgesamt hatte ich den Sommer über 4 Clomifen-Zyklen…Keiner hat angeschlagen…Bis auf eine schmerzhafte Zyste, die sich an einem Eierstock gebildet hat.

Der nächste Schritt war die Aufklärung und ein Infoabend zur künstlichen Befruchtung im September. Wir konnten beide noch nicht wirklich glauben und realisieren dass wir wirklich dieses schwere, belastende Schicksal zu tragen haben. Und Leute das ist nicht nur psychisch belastend. Ohne Geld geht da gar nichts und wenn man das nicht hat ist es noch belastender…Ich wechselte die Krankenkasse zum nächstmöglichen Zeitpunkt um noch etwas Geld bei der Behandlung zu sparen. Der Wechsel sollte zum 01.12.2017 aktiv sein, bis dahin hieß es warten…wir nahmen in der Zeit gedanklichen Abstand zum Kinderwunsch und zur künstlichen Befruchtung. Ich trank seit November 2016 das erste mal wieder Alkohol und das nicht zu wenig, ich dachte ich nutze die Zeit mal noch richtig bis zur künstlichen Befruchtung. Ich war sehr oft am Wochenende mit einer Freundin tanzen, Sex nach Plan hatten wir auch nicht mehr. Die Zeit zuvor hat uns in der Hinsicht sehr geprägt und unsere Beziehung und Ehe auch auf eine harte Probe gestellt. Ich bin mal ehrlich und würde unsere Sex Anzahl in den 3 Monaten Wartezeit wenn es hoch kommt auf 4-5 Mal schätzen.

3 Monate später: Ich hatte mir für den 01.12. extra freigenommen, denn ich hatte viel vor. Den Behandlungsplan aus der Kinderwunschklinik abholen und direkt bei der Krankenkasse einreichen in der Hoffnung noch im Dezember den ersten Versuch der künstlichen Befruchtung durchführen zu können. Matthias war Anfang Dezember leider 4 Tage auf Geschäftsreise und ich musste das alleine erledigen.

Am 01.12.17 wachte ich auf und dachte „mach mal ein Schwangerschaftstest“ …Fragt mich nicht wieso ich das dachte…vielleicht weil ich in dem vergangenen Jahr gefühlt 50 Schwangerschaftstests gemacht hatte und mein Kopf dachte nach 3 Monaten ohne wird es mal wieder Zeit. 5 Minuten später dachte ich die Welt explodiert. Ich bin wirklich fast zusammengebrochen. Stellt euch die Situation vor, ihr habt auf 50 blütenweise Schwangerschaftstests gestarrt, so ein Ding hatte ich noch nie positiv gesehen..außer auf Instagram und Google. Jetzt sollte ich, ich mit der Diagnose „PCO“ „nicht fruchtbar“ und allem drum herum einfach so schwanger sein?

Fast 5 Monate später ist das für mich immer noch unbegreiflich und ein absolutes unglaubliches Wunder. Ich fange oft einfach aus Dankbarkeit an zu strahlen und verdrücke die ein oder andere Träne. Ich bin jetzt im 6. Monat, genauer in der 21. Schwangerschaftswoche und kann mein Glück kaum fassen. Kennt ihr Momente die so perfekt sind, dass ihr denkt irgendwo muss doch ein Haken sein? So geht es mir seit Anfang Dezember.

Jetzt fragen sich sicherlich sehr viele Menschen, wieso erzähle ich dem WWW das? Möchte Sie Mitleid oder Aufmerksamkeit?!
Ganz klares NEIN! Es ist einfach wegen folgenden zwei Gründen:
1. Um es für mich selbst zu verarbeiten
2. Um allen Frauen da draußen Mut zu machen. Gebt niemals auf! Hört IMMER auf euer Bauchgefühl und hinterfragt auch ruhig mal Ärzte und holt euch weitere Meinungen ein. Es geht um euch und euren Körper. Und zuletzt wünsche ich jeder Frau und jedem Paar welches einen Kinderwunsch hat, den Rat den alle außenstehenden geben – und bei dem ich am liebsten jedes Mal laut angefangen hätte zu schreien wenn ihn mir damals jemand gegeben hat – anzunehmen und umzusetzen. Macht euch keinen Stress, habt Sex wenn ihr Lust habt und vor allem auch Spaß daran und bloß nicht nach Plan. Genießt das Leben trotzdem weiterhin, trinkt Alkohol und geht Tanzen wenn ihr Lust drauf habt. Esst einen Big Mac wenn ihr Bock habt und lebt einfach weiter wie vorher.

Jetzt sitze ich hier auf der Couch. Schwanger. Und bekomme von unserem süßen Baby Girl kräftig in die Blase getreten 😀
Selbst wenn ich nur einer Frau Mut machen und Hoffnung schenken konnte hat sich dieser Beitrag gelohnt. <3
Danke für’s Lesen!

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